Begrifflichkeit

Es handelt sich beim Anschwöden um ein Verfahren zur Enthaarung der Tierhäute. Dieses Verfahren kann so genutzt werden, dass die Haare der Häute nach diesem Prozess weiterverarbeitet werden können.

Wie funktioniert das Anschwöden?

Die zu bearbeitenden Häute und Felle werden mit einer Art Brei aus Kalk und einem Anschärfungsmittel, wie zum Beispiel Schwefelnatrium, bestrichen. Die Zusammensetzung des Schwödebreis richtet sich allerdings nach der Art der Tierhaut und nach dem herzustellenden Leder. In der Vergangenheit wurden gelegentlich giftigere Gemische, wie zum Beispiel Gift und Kalk, zum Anschwöden verwendet. Gängig ist heutzutage allerdings die bereits genannte Kombination von Schwefelnatrium und Kalk oder aber auch Calciumsulfid mit Wasser. Die Methode des Anschwödens bietet zwei große Vorteile: Einerseits ist es möglich die Haare und Felle so zu schonen, dass diese weiterverarbeitet werden können Andererseits kann bei den Fellen, wo die Haare nicht weiter benötigt werden, die Methode des Anschwödens sehr schnell durchgeführt werden.

Bevor das Anschwöden allerdings stattfinden kann, müssen die Häute zuvor vollständig gereinigt und durch Strecken oder Walken erweicht werden. Zudem müssen alle Fleisch- und Fettteile entfernt worden sein.

Sollen die Haare und Felle geschont und weiterverarbeitet werden, so wird dieser Brei auf der Fleischseite aufgetragen. Geht es primär darum die Häute schnell zu enthaaren, so wird der Brei direkt auf die Haarseite aufgetragen. Dadurch werden die Haare allerdings dauerhaft zerstört. Zum Auftragen der Masse wird ein Reiserbesen oder ein Schwödewedel, bestehend aus Werg und Ochsenschwanzhaaren, genutzt.

Anschwöden von Kleintierfellen

Bei Schaf- und Ziegenleder, welches besonders gerne für Ober- oder Handschuhleder genutzt wird, wird zur Haarerhaltung der Schwödebrei auf der Fleischseite aufgetragen. Zudem werden dadurch feine und sehr milde Narben erzielt.

Die Häute werden mit der Fellseite nach unten in einer Reihe auf den Boden gelegt. Es wird anschließend eine zweite Reihe dachziegelartig darüber gelegt. Dieser Vorgang wird so lange fortgeführt, bis die Reihen ungefähr einen Zentimeter hoch sind. Der Schwödebrei wird nun dick auf die obersten Felle aufgetragen, sodass die Fleischseite vollständig bedeckt ist. Die Häute werden anschließend mit der Fleischseite nach innen zusammengefaltet und mit anderen Häuten zusammengelegt. Damit die Felle nicht zu stark schwitzen und Schaden nehmen, müssen sie regelmäßig untersucht werden. Ungefähr nach vier bis sechs Stunden sind die Haarzwiebeln der Haut so stark zerstört worden, dass sich die Haare lösen können. Als letzten Schritt fehlt nun noch das Enthaaren. Dies geschieht indem die Haut auf einen Gerberbaum gelegt wird. Mit einem Schabeisen wird über die Fleischseite des Felles gefahren, damit das Fell und eventuelle Fleischreste entfernt werden können. Eine andere Alternative ist der Einsatz von Enthaarungsmaschinen. Allerdings macht das manuelle Scheren das Fell qualitativ hochwertiger, da das Bindegewebe genauer und sauberer entfernt werden kann. Die Maschinen arbeiten dafür schneller und kostengünstiger.